Sonntag, 20. September 2009

(Tag 263) Grundschule

Habe vor ein paar Tagen eine sehr lustige Doku im Fernsehen gesehen, oder ein Interview oder was weiß ich, ich hab es nur für ca. 1 min angesehen. Aber da ging es um eine Grundschule, in der die Zwerge (ca. 6-8 Jahre alt) gerade lernten, wie man Bücher sortiert. Anscheinend wird einem in niederländischen Grundschulen echt was geboten: denn die Hälfte der Klasse war als Buch verkleidet, d.h. sie steckten in großen Pappkartons, die einem Buchrücken (mit Buchstaben drauf) nachempfunden waren. Die andere Hälfte der Klasse lernte nun, durch Anbrüllen der "lebenden Bücher" und deren Umsortieren mit Hilfe der Lehrerin, wie man Bücher dem Alphabet nach anordnet. Links wackelte das Kind, dass in dem Buch mit der Aufschrift "Aa" steckte hin, angerempelt von "B", ehe sich dann "Ac" zwischen die beiden drängelte, von Geschrei der anderen Kinder begleitet. Hab herzlich gelacht, muss ich sagen.
Goldig, gell?

Hier in den Niederlanden besucht man die Grundschule (basisonderwijs) übrigens vom 4. oder 5. bis zum 12. Lebensjahr. Interessant ist, dass das Schulsystem hier sehr offen ist. Laut diesem niederländischen Wikipedia-Artikel, waren 2006 nur 30,8% der Grundschüler in einer "öffentlichen", also staatlichen Schule. Die anderen 69,2% verteilen sich auf eine Sammelsurium an Schulformen! Das sieht aus wie ein Inhaltsverzeichnis aus dem Lehrbuch für merkwürdige Schulformen. Davon sind aber nur 6,5% der Schüler "betroffen", die sich in Montessori- und Jenaplan- und Leonardo- (??) und was weiß ich nicht für Schulen tummeln. Die allermeisten Schüler (62,7%) gehen auf konfessionelle Schulen! Während katholisch (33,7%) und evangelisch (24,4%) den Löwenanteil der religiösen "geprägten" Grundschüler einnehmen, gehen doch immerhin 0,1% der niederländischen Grundschüler (das sind immerhin 1500!) auf eine hinduistische Grundschule! Merkwürdig, oder? Wie der Unterricht in einer hinduistischen Grundschule wohl aussieht?

Samstag, 19. September 2009

(Tag 262) Petrus Bier

Zur Feier des Tages, weil mein Rad für einen sehr fairen Preis wieder fahrbereit gemacht wurde, hab ich mir ein Bier gekauft. Die Auswahl war, als ich es dann gesehen hatte, leicht: denn ich kann mir ein Bier gönnen und meinen Bekannten mit seinem "Glaube-ist-Heilbar" Blog ärgern... es ist nämlich heiliges Bier! "Petrus Blond - The key to heaven"
Hier ist ein Bild:Auf der Rückseite sagt es: "Petrus Blond ist ein obergäriges Bier, gebraut mit reinem Quellwasser und sorgfältig ausgewählten Hopfen- und Malzsorten. Servieren sie dieses helle Bier mit seinem milden und vollen Geschmack am besten kühl. Enthält Gerstenmalz."
Hm, das klingt dann relativ profan. Gebraut wird es übrigens von der Bavik Brauerei in Belgien. Soso...

:-)

(Tag 262) break-uneven-point

Ich hab nun den Punkt erreicht, an dem Reparaturen an meinem Fahrrad den ursprünglichen Kaufpreis aufwiegen bzw. überwiegen -- ich hab, wie zuvor berichtet, ja vermutlich wegen meiner rabiaten Fahrweise oder rabiater Mitmenschen wieder eine Anzahl kaputter Speichen im Hinterrad gehabt. Da ich aber nun doch nicht wegen dieser Sache ein neues Rad kaufen will, lass ich es reparieren. Hat die niederländische Sparsamkeit doch auf mich abgefärbt, was? Naja, jedenfalls ist nun, mit dieser Reparatur, insgesamt mehr als der Kaufpreis an Reparaturen in das Rad gegangen. Wobei man allerdings sagen muss, das der Kaufpreis auch sehr niedrig war.
Mir ist das Rad ausserdem über die vergangenen Monate so ans Herz gewachsen. Es steht, mit seiner ständigen Neigung zum Versagen und Unglücken, so sehr als Symbol für meinen Aufenthalt hier, dass ich es einfach nicht weggeben kann!
Ausserdem gefällt mir die Farbe :-)

Mittwoch, 16. September 2009

(Tag 259) Schon wieder...

...ist mein Rad kaputt. Diesmal sind wieder einige Speichen im Hinterrad gebrochen. Ich hab meine Mitmenschen in Verdacht -- die beim "Ausparken" aus den engen und dichtgepackten Fahrradständern mit ihren Pedalen mein Hinterrad traktieren. Oder ich bin einfach zu fett und schwer und demoliere das Bike durch bloßes drauf Sitzen. Wer weiß?
Grmpf.
Ich denk mal, bis zum Wochenende hält das Rad noch durch. Dann werd ich überlegen -- investiere ich nochmal in eine Reparatur, neue Speichen, ein neues Rad... oder kauf ich mir gleich ein neues Fahrrad, weil das Alte mir so auf den Zeiger geht? Was, wenn meine freundlichen Mitmenschen das neue Rad auch wieder aus Unachtsamkeit demolieren?
Schwierig, schwierig...

Sonntag, 13. September 2009

(Tag 2-hoch-8) Politische Comedy

Ihr habt die Wahl. Die Bundestagswahl. Ich hab nix. Zu faul, um Briefwahl anzumelden. Ich hab doch was: ich hab den Spaß.
Ich schau mir das Kanzlerduell, auf ARD, ZDF und RTL... also, RTL hab ich nicht, aber ARD und ZDF. Viel zu Lachen gab es nicht. Wenn das Comedy sein soll, muss in Deutschland noch viel gelernt werden.
Morgen, am 14.9,. kehren "The daily show" (link, full episodes online) und der "Colbert Report" (link, full episodes online) wieder aus der Urlaubspause zurück. DAS ist politische Comedy...

:-)

Mittwoch, 9. September 2009

(Tag 252) Coffeeshops bleiben bestehen!

Ich glaube, neben Camping, Käse, spuckenden Fussballern und Holzschuhen wird nichts so sehr mit den Niederlanden verbunden wie das Kiffen. Sozusagen, Mythos Coffeeshop.
Dabei sind Coffeeshops eine merkwürdige Sache. Zwar ist der Besitz und Konsum von Marihuana nicht strafbar, aber der Verkauf wird nur geduldet, ist eigentlich nicht legal. Schon gar nicht in großen Mengen. Ebenso der Anbau, auch illegal. Ein wenig verwirrend und inkonsequent ist diese Regelung schon, aber - und das ist vielleicht auch sehr niederländisch - es funktioniert, ist ein Kompromis. Doch tatsächlich wird sich das vielleicht bald etwas ändern. Denn an dieser ganzen Coffeeshopperei ist doch einiges an Kriminalität und Problemen anhängig. Angefangen von Leuten, die vor Coffeeshops in zweiter Reihe parken und den Verkehr behindern, über nervende Franzosen/Belgier/Deutsche, die in den grenznahen Städten als Drogentouristen, vermutlich stoned bis dorthinaus, die Straßen bevölkern, bis hin zu handfester Kriminalität (denn irgendwo muss das illegale Zeug ja herkommen und irgendwer muss es dem geduldeten Coffeeshop ja liefern). Grundtenor: die Sache ist im Kern gut, aber aus dem Ruder gelaufen in den letzten Jahren.
Ich glaube daher, der Wunsch besteht hier in den Niederlanden diese Duldung abzuschaffen, bzw zu revidieren. Heute hab ich zunächst mal gelesen (hier ein Link zu einem Zeitungsartikel, nur niederländisch allerdings) dass die Coffeeshops bleiben dürfen und die Duldungsregelung weiter geht. Man will wieder zurück zu den Anfängen -- kleine Coffeeshops für lokale Konsumenten, ala User-Clubs oder so. Ausländische Konsumenten sollen nicht mehr erwünscht sein, bzw. per Ausweissystem sollen nur Niederländer (also, vermutlich heisst das, Leute mit Wohnsitz in NL) in den "Genuß" des Einkaufs in einem Coffeeshop kommen. Oha! Das reißt doch die ganze Camping- und Wochenendausflugsindustrie in den Ruin, wo fahren die Ströme von Jugendlichen aus dem Ruhrgebiet nun hin? Wird der Regionalexpress nach Venlo also bald eingestellt, bzw. wird er zu einem ganz normalen, erträglichen Zug? Wissen die Niederländer eigentlich, was sie den deutschen Jugendlichen da antun?
Na, ich finde diese Neu-Debatte der Drogenpolitik, auch ohne Scherze, ziemlich hirnlos. Es ist ein Problem, dass Herstellung und Anlieferung des Zeuchs illegal ist? Warum legalisiert man es nicht? Es ist doch auch legal, eine Schnapsbrennerei zu haben. Und zack, Steuern druff, haben wir wieder mehr Geld für das Gesundheitssystem. Aber vermutlich kann ein Staat, schon gar nicht einer, wo zwei Parteien mit dem Wort "Christ" im Namen an der Regierung beteiligt sind (die "Christen Unie" und die "Christen Democratisch Appèl" nämlich), es sich nicht leisten solche subversiven Substanzen wie Marihuana an ihre Schäfchen... ähm, Bürger abzugeben.
Pfft. Bin mal gespannt wie das weitergeht. Nicht, dass es mich in irgendeiner Form berühren würde, ich hab seit ich hier wohne noch keinen Coffeeshop betreten. Aber aus rein theoretischem Interesse ist das doch eine interessante Sache.

Samstag, 5. September 2009

(Tag 248) onbewust asociaal

Es gibt eine Werbekampagne hier in den Niederlanden, die heißt "onbewust asociaal", in der beworben wird, "asoziales" Verhalten im Alltag, also Dinge wie Müll einfach auf die Straße werfen oder rücksichtlos Musik zu hören oder dergleichen, nicht zur Gewohnheit werden zu lassen.
Ich hab heute gedacht, ich hätte auch in so einem Werbespot auftauchen können, allerdings aus Versehen und eigentlich unberechtigt.
Bin nämlich gerade einkaufen gefahren. Auf dem Parkplatz, wo ich sonst immer mein Auto abstelle, war natürlich nichts frei. Also bin ich ein wenig in der Gegend herumgekurvt, hab einen Lücke entdeckt, gewendet und eingeparkt. Ein paar Sekunden später (mein Motor war schon aus) hielt eine Frau in einem Kleinwagen neben mir und begann mich zu beschimpfen. Ich glaube sie war der Meinung, Anspruch auf diese Parklücke gehabt zu haben. Allerdings hatte ich sie, bei meinem Wende- und Einparkmanöver zuvor, nirgendwo gesehen. Tja. Sorry. Aber ich sah dann auch nicht mehr ein, für diese Frau wieder auszuparken und weiterzusuchen. Was sie sichtlich noch mehr erbost hat, so daß sie wutschnaubend wegfuhr.
Also. Ich würde sicherlich nicht jemanden, der offenbar mit Einparken beschäftigt ist und womöglich schon den Blinker gesetzt hat, den Parkplatz wegschnappen. Das wäre wirklich asozial. Aber ich denke mal, diese Frau hat es so empfunden, auch wenn sie ganz offensichtlich hunderte Meter entfernt den Blinker setzte, für mich unsichtbar.
Es tut mir auch nicht sonderlich leid. Meine Güte, muss sie halt noch 2-3min länger nach einem Parkplatz suchen. Sorry. Aber vermutlich denkt die nun wieder "Scheißdeutscher" oder so, weil ja deutsches Nummernschild und so.