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Mittwoch, 4. November 2009

(Tag 308) Denk Vooruit

Im Moment läuft hier eine Werbekampagne (vom Innenministerium, glaub ich) die ich sehr ulkig finde. Es geht um eine Notfallpaket, so eine Art minimales Survival-Set, dass man dabei oder im Haus haben sollte. Man kann das den Anleitungen der Webseite nach zusammenstellen, oder fertig gepackt kaufen -- enthalten sind Kerzen, Taschenlampe, Erste Hilfe Set, ein Radio und viele andere Dinge, je nachdem welche der Größen man erwerben will.
Auf der Webseite sind zudem Checklisten zu finden, was man zu tun hat im Falle von Großbränden, Seuchen, Verkehrsunfällen, Terroranschlägen, Überflutungen, Auschreitungen und so weiter.
Das ganze hat definitiv einen Hauch von Atombunker anlegen und so. Eine kleine Zeitreise in das letzte Jahrhundert. Aber als Besitzer mehrerer (!) Survivalhandbücher kann ich die dahinter stehende Idee nur begrüßen!
Allerdings fehlt mir eindeutig in der Liste der abgedeckten Katastrophen, was im Falle einer Zombie-Katastrophe zu tun ist. Das darf man den Leuten nicht vorenthalten! Daher: Ich kann jeden echten "survivor" nur an dieses Buch hier verweisen (link bei Amazon), das in keiner Sammlung fehlen sollte und auch ein schönes Weihnachtsgeschenk abgibt. Wenn es schnell gehen muss: auch diese Webseite ist lesenswert. Wenn man dann noch ein ordentliches Gewehr in sein Survivalpack tut, mit dem man die verdammten Zombies wegpusten kann, ist man wirklich auf jede Evantualität vorbereitet... :-)

Montag, 2. November 2009

(Tag 306) Lakenvelder

Auf einer Wiese am "Ringdijk" hier in Rotterdam habe ich kürzlich merkwürdig aussehende Rinder gesehen (und natürlich geknipst, siehe unten). Eine kurze Recherche ergab: dabei handelt es sich um sogenannte Lakenvelder, eine Rinderrasse die als "sehr niederländisch" angesehen wird und mit fast schon angsteinflößender Liebe von ihren Fans verehrt wird.
Auf der zum Rinderkult gehörenden Webseite (Vereniging Lakenvelder Runderen) hab ich unter der Rubrik englisch description of a "perfect Lakenvelder" eine lesenswert liebestolle Beschreibung gefunden. Ich nehm mir die Freiheit hier mal zu zitieren und zu übersetzen:

Ein wohlerzogenes Lakenvelder Rind ist neugierig und gerät nicht leicht in Panik. Allgemein kann man sagen, es ist eine ruhige Zucht, die dem Tierarzt oder Besamer keine Probleme bereitet.
[A well bred Lakenvelder is curious and doesn't easily panic. Generally speaking, it is a quiet breed, not causing any problems for the vet or inseminator.)]
-- na also, das hört man gern, sich ohne Angst besamen lassen, so soll sich ein braves Rind verhalten, nicht so ein hysterisches Gemuhe und Getrampel wie andere Kühe immer...

Der Euter sollte an seinem Vorderrand angewachsen sein und eine gewisse Länge aufweisen. Er sollte nicht zu tief hängen, zudem sind schön platzierte, gerade Zitzen gern gesehen. [The udder (...) should be attached firmly at the front of the udder and posses some length. It should not be too deep and one likes to see well placed, straight teats.]
-- zweifellos, zweifellos... dennoch beginnen die lüsternen Beschreibungen mich zu ängstigen...

Der Kopf sollte ausdrucksstark sein. Keine deutlich sichtbaren Adern zwischen Nase und Augen, eine schwarz pigmentierte Nase, wunderschöne Wimpern und "bezaubernde" Augen. [(...) the head which should be 'expressive' (..) : no clearly visible veins between the nose and the eyes, a black pigmentated nose, beautiful eye lashes and 'engaging' eyes.]
-- oh mann, oh mann, wunderschöne Wimpern und bezaubernde Augen... das Landleben muss ganz schön einsam machen...

Jedenfalls steht für mich fest: ein Lakenvelder hat man ganz offenbar nicht einfach so im Stall, wie man einen ollen Golf 2 in der Garage hat. Nein, ein Lakenvelder liebt man. Ich vermute mal, draußen auf dem Land, werden Samstags die Lakenvelder gewaschen, eingewachst und dann stolz in der Auffahrt zum Hof abgestellt, damit die Nachbarn neidisch sind. Nasenpolitur nicht vergessen.
oh, diese Augen, diese bezaubernden Augen...

Montag, 15. Juni 2009

(Tag 166) Du weißt, dass du in den Niederlanden bist, wenn...

Letztens stand ich im Histologie-Labor und hab mich, naja, mit Histologie(1) eben beschäftigt. Das Histologie-Labor ist eine von vielen Arbeitsgruppen und von viele Leuten gemeinsam genutzte Einrichtung unseres Instituts, und entsprechend voll und stressig ist es da immer. Ausserdem ist Histologie ja eine Disziplin, die mit diversen Leckereien wie Schwermetallsalzen, krebserregenden Substanzen wie DAB (alle Kenner "der Szene" werden das das Diaminobenzidin kennen) oder auch Methanol herumhantiert. Alles nicht schön. Ausserdem ist das Histologie-Labor die angestammte Domäne der fest angestellten und alt eingesessenen technischen Assistentinnen, und jeder weiß dass die mit harter Hand regieren.
Aber hier ist eine ulkige Geschichte.
Ich stand, wie gesagt, letztens im Histologielabor und hab vor mich hingewerkelt. Es war Mittagszeit, und ich hab mich etwas in meine Gedanken zurückgezogen, weil es so langweilig Arbeit ist und ich dem fortwährenden niederländischen Geschnatter, das da herrscht, eh nicht folgen kann. Plötzlich merke ich, dass meine Gedanken mehr und mehr zum Thema Essen abschweifen. Dann bilde ich mir sogar ein, den Duft von frisch Fritiertem in der Nase zu haben. Mit einem Mal bekomme ich sogar Halluzinationen -- neben mir an der Workbench isst jemand eine Frikandel mit Majonaise drauf. Bilde ich mir das wirklich ein? Der Duft ist schon enorm intensiv. Als ich mich umdrehe wird der Wahnsinn deutlich: haben die TA's doch tatsächlich eine Friteuse in den Abzug gestellt, in dem sonst die DAB-Färbungen gemacht werden!! Und in dem Moment wird gerade eine große Ladung frischer Pommes abgeschöpft -- denn es scheint Frikandel mit Pommes zum Mittag zu geben. Sehr, sehr ungesund ... in mehrerer Hinsicht!
Naja, als mir eine Pommes angeboten wurde konnte ich nicht nein sagen (nicht eine Schale voll, nur eine einzelne Pommes). Ich muss sagen -- mit Schwermetallen und anderen Giften garniert schmecken die Dinger noch besser, als nur mit Acrylamid angereichert... hehehe...


(1): für alle nicht-Biologen: die Wissenschaft von den Gewebe, also Verbünden von Zellen, die in der Gesamheit ein Organen ergeben, in unserem Fall natürlich geht es nur um Gehirngewebe und Gehirnzellen.