Freitag, 9. Januar 2009

(Tag 9) Das Wetter

Weil, über das Wetter kann man immer reden. Und es ist wirklich kalt und winterlich, dieses Wetter. Jaaa, neeeein, mit so krassen Winterorten wie Bayern (-24°C, las ich) Aachen oder Wuppertal (Schnee ohne Ende, hör ich) kann Rotterdam nicht mithalten. Aber immerhin, man sagte mir, dass Schnee etwas sehr seltenes sei in dieser Gegend hier. Und, was ist los, kaum zieh ich hier her, schon hat es geschneit. Und Frost! Da denkt man, so nah am Meer und alles, da gibt es keinen richtigen Frost. Ha! Derben Kühltruhenfrost hat es, mein Auto springt nicht mehr an (ja, ich weiß, die Batterie) und überall sind tödlich-glatte Eispfützen. Was die Niederländer natürlich freut -- die gehen voll ab, was das Schlittschuhlaufen angeht. Ist aber auch cool hier, mit den kleinen Kanälen oder. Gestern abend auf dem Heimweg fiel mir auf, dass auf einem zugefrorenen Kanal in der Stadt ein richtiges Eishockeyfeld improvisiert war. Hehe. Man muss die Gegebenheiten nur zu nutzen wissen. Doof nur für die Leute, die hier in der Fussgängerzone von Rotterdam Centrum ein kleines, popeliges Eislauffeld mit Bar-Bereich hingestellt haben. Kostet natürlich Eintritt. Die machen glaub ich gerade den Verlust ihres Lebens. Bad timing, nennt man das wohl.
Etwas weiteres positives hat das Winterwetter auch (und das hat es mit mir gemeinsam, hehehe): es sieht einfach gut aus.


So am gestrigen Morgen, als ich auf dem Weg ins Institut dieses Bild hier gemacht hab, leider nur mit meinem ollen Nokia 1,3MP Kamerachen: man sieht, wie sich an der Spitze eines Wolkenkratzers (nah des Bahnhofs von Rotterdam) ein hübsches Phänomen abspielt -- Eisnebelwolken, wie sie sonst nur der Mount Everest hat, werden von irgendwelchen Winden zerfräst und dabei von der Morgensonne zum Leuchten gebracht. Schön. Dafür nimmt man doch gern ein eingefrorenes Auto in Kauf... ;-)

Mittwoch, 7. Januar 2009

(Tag 7) Von den Essgewohnheiten baumbewohnender Nagetiere

Jaja, mühsam ernährt es sich, das Eichhörnchen. In diesem Fall arbeitet das possierliche Waldwesen Stück für Stück eine lange Liste von zu organisierenden Dingen ab. Manche gelingen nicht sofort. Andere jedoch schon. Und so wird die Liste kürzer. Das mag das Eichhörnchen gern.
Ist schon ein ganz schöner Aufwand, so ein komplettes Leben (quasi) in einem fremden Land neu aus dem Boden zu stampfen. Besonders, wenn man noch mit der merkwürdigen Arbeitsweise von Vermieterfirmen-Mitarbeiterinnen zu kämpfen hat. Wer hätte gedacht, dass man explizit nach dem Briefkastenschlüssel fragen muss, ehe man ihn ausgehändigt bekommt?

Ach, Schlüssel. Das ist auch so ein Thema, dass dem Eichhorn die Plaque auf die Nagezähne treibt. Da arbeite ich doch im nunmehr dritten Tag in einem ziemlich großen, ziemlich erfolgreichen Forschungsinstitut. Wer hätte gedacht, dass sie keine Schlüssel mehr haben, für die Türen? Alle weg! Ausgeteilt, verloren, zerstört, gemopst. Was weiß ich. Angeblich hat es mal 500 Stück gegeben, sagte man mir. Keiner mehr da. Nachbestellung dauert 1-2 Monate! Da kommt mir der Gedanke: Wer hätte gedacht, dass es 1-2 Monate dauert, ein paar Schlüssel zu fräsen?? Ich beginne ein Schema zu entdecken!

Ich sag gar nicht, dass es nicht in jedem anderen Land auch hätte geschehen können. Das waren keine spezifisch niederländisch abgezielten Nörgeleien. Ich sag nur, dass dem Eichhörnchen dann doch seit seinem Umzug in den neuen Wald ein paar faule Nüsse zuviel hingeworfen wurden. Das Blatt könnte sich nun gern mal in eine Glückssträhne wandeln! Aber Grundfazit vom Eichhörnchen ist aber immer noch: Zähne und Krallen weiterhin scharf, alles in bester Ordnung eigentlich soweit! War nur aber auch mal an der Zeit eine der deutschen Tugenden Nr. 1 herauszukehren: das Nörgeln. Man sieht, als Expatriierter besinnt man sich mehr als daheim auf seine vermeindliche nationale Identität, sozusagen. Hüstel hüstel. Gerade ich! Nicht, dass ich mir nun bald auch noch Gartenzwerge kauf und unten vorm Haus schau, dass die Autos auch richtig parken... ;-)
In diesem Sinne, nagende Grüße!

Sonntag, 4. Januar 2009

(Tag 4) catching up

Uffz, ich bin umgezogen. Natürlich ist (gefühlt) ungefähr alles schief gegangen, was so schief gehen kann. Andererseits ist man so im Stress, dass man das alles schlimmer empfindet, als es war. Ok, ich hab noch kein Internet im Apartment und mein Briefkastenschlüssel liegt wohl immer noch beim Hauswart. Na, das lässt sich noch regeln. Und auch die tausend anderen Sachen (wer wusste, dass man Adressänderungen bei der Sparkasse in Deutschland NICHT telefonisch machen kann?) werden sich schon irgendwie in dem kommenden zwei Wochen richten. Es gibt nichts, was nicht ein Kaffee und ne heiße Dusche (Zentralheizung, yeah!) wieder geraderücken könnte.
Was hab ich schon erlebt?
An Sylvester haben wir Fondue gemacht und sind dann ein wenig abends in dem Viertel, in dem ich wohne, herumgewandert. Die Niederländer haben es ordentlich krachen lassen (in mehrerer Hinsicht), das war lustig. Ulkig war auch, dass sie am 31.12. offensichtlich "Oliebollen" (so fritierte Krapfen mit Rosinen) essen -- an einer Bude vor einem Supermarkt standen sie, ganz gesittet, in einer 50m langen Schlange an. Müssen wohl lecker sein, diese Oliebollen. Oder sie bringen Glück.
Ein witziges Einkaufserlebnis hatten wir auch schon: beim "Albert Hein", einem großen Supermarkt, gibt es ein Selbstscan-System: wenn man sich da angemeldet hat, dann kann man mit einem kleinen Handscanner durch den Laden laufen und seinen Waren scannen und dann am Ende, ohne Personal, an einem Terminal bezahlen. Baut auf Vertrauen auf, das System - am Anfang wird man wohl ein paar mal, später stichprobenhaft, kontrolliert. Interessante Idee. Ein weiteres Argument für Albert Hein: es gibt da deutsches Brot zu kaufen... jaaaa, ich weiß ich weiß, man sollte sich den lokalen Gepflogenheiten (Schlabberbrot) anpassen. Mach ich bestimmt auch noch. Aber den Übergang erleichter ich mir mit dem "Oberlander uit Duitsland".
Oh, und einen coolen Radiosender hab ich auch schon entdeckt (in Ermangelung eines TV-Empfangsgeräts): Arrow Classic Rock, 103.8FM. Da läuft eben Rockmusik, den ganzen Tag. Das ist ziemlich cool (auch wenn die Werbung sich leider immer wiederholt).
Im Grunde also vermelde ich aus Rotterdam: Daumen hoch für den Start!

Montag, 29. Dezember 2008

(Tag -3) Wohnung und Umzug Part I

Soweit so gut. Mit dem völlig vereisen Auto nach Rotterdam gefahren. Den Mietvertrag unterzeichnet, es geschafft mit dem murksigen Codekarten in mein Apartment zu kommen, hab den ersten Schock (klein, noch ziemlich dreckig, doch kein Einbauschrank da, kein Festnetzanschluß) verdaut, hab mit meiner lieben Freundin zusammen den Kram reingestellt und dann zu IKEA in Delft gefahren. Ein bisserl Zeug gekauft. Ein bischen die Gegend angesehen. Zu dem Schluß gekommen, daß alles doch nicht so schlecht ist. Wieder nach Aachen gefahren, um morgen den Rest einzuladen und meine Wohnung hier zu übergeben. 12 Stunden. 500km. Was für ein Tag.

Also, das Kurzfazit: es sieht nicht super-duper aus, aber auch nicht schlecht. Passt schon.

Kann aber sein, dass Internet erst ab dem 5. Januar funktioniert ... also bis dahin Funkstille hier.

Sonntag, 28. Dezember 2008

(Tag -4) Auto packen... es geht!

Wow. So ein Opel Astra F ist ein richtig fetter Transporter. 5 Umzugskartons, 4 fette Ikeatüten mit meinem Socken und T-Shirts (quasi), mein Couchtisch, die Schreibtischplatte, all der Küchenkram und noch gefühlte 239 Kleinteile -- so sieht das Auto nun aus, das unten vorm Haus steht. Morgen früh geht es dann los, der Umzugstag. Chaos. Is klar, ne? Aber so wie es aussieht, geht der Rest der Möbel (Betteinzelteile, Sesselchen, Stuhl, ein Wäschekorb, Füße vom Schreibtisch und ein bischen Gedöns) dann übermorgen mit Fuhre 2.
Ich weiß bereits nun, dass ich sagen werde: "hätte ich mir doch besser einen Vito ausgeliehen". Aber hinterher bin ich immer ein Klugscheißer.
Also, die Aufregung steigt -- nun erst mal ein kühles Bier für die Nerven...

Freitag, 19. Dezember 2008

(Tag -13) Obdach

Wheeeew, das war spannend. Irgendwie gab es Probleme mit dem Apartment, dass mir die Personalabteilung meines neuen Arbeitgebers besorgen wollte--- es kam und kam da keine Neuigkeit von. Also rief ich letzte Woche mal da an. Dabei stellte sich heraus, dass irgendein Fehler passiert war. Es gab kein Apartment für mich!! Ohoh. Allerdings setzten dann eine Menge sehr netter leute eine Menge Hebel in Bewegung. Und nun ist alles organisiert, ich bin beeindruckt von der Freundlichkeit und Geschwindigkeit, mit der sich um mich gekümmert wurde.
Also: ich werde noch vor Sylvester umziehen! In ein schnuckeliges Apartment im Norden von Rotterdam (im Stadtteil Schiebroek). Da bin ich zwar 7km (also 20min Straßenbahn oder 30min Fahrrad) von meiner Arbeitsstelle entfernt, aber dafür ist es da ruhig und schön. Und man kann da sehr gut Laufen, weil es wird da grün und gibt Parks und so. Nett.
Also, gute Nachrichten vor Weihnachten...

Dienstag, 7. Oktober 2008

(Tag -86) Behörden, Freundlichkeit und persönliche Schicksale

Ich hatte letzte Woche in Heerlen beim belastingdienst einen Termin, um mir eine niederländische Sofinummer (Sozialversicherungsnummer) zuteilen zu lassen. Die benötigt man natürlich, wenn man wie ich in den Niederlanden arbeiten will. Bin also da hingefahren. Das Gebäude ist in Heerlen nah am Bahnhof, also alles kein Problem. Nümmerchen gezogen, 10min gewartet -- und mich dann in einer kleinen, einen Schreibtisch breiten Zelle wiedergefunden.
Nach einiger Zeit kam auch ein ganz nett anmutender Herr und begrüßte mich. Ich erklärte ihm auf meinem gebrochenen niederländisch (ich geb zu, ich hab mir die Sätze vorher zurechgelegt!) was ich benötige und warum. Er nickte und fragte mich etwas, was ich nicht verstand. Als ich mich (immer noch auf niederländisch) erkundigte, ob er vielleicht Deutsch spräche, wurde er komisch. Er sagte, ja natürlich, aber es wär "scheiße", das ich kein Niederländisch spräche, "ne?" (O-Ton). Er pflaumte mich an, dass ja in Deutschland auch keine Behörde niederländisch spräche und so. Ausserdem wollte er mir erklären, dass ich nun die Sofinummer nicht haben könnte, weil ich ja dann bei der Anmeldung in der Gemeinde Rotterdam möglicherweise doppelt registriert würde. Grmpf. Ich blieb aber beharrlich und erklärte ihm nochmal, dass ich die Nummer aber für den Vertragsabschluß mit dem Arbeitgeber benötigen würde.
Wortlos knallte er mir ein Formular (mit Erklärung der Punkte in deutsch, das find ich super nett!) hin und liess mich in der Zelle hocken. Nach ein paar Minuten kam er wieder und nahm das Formular und meinen Reisepass mit, und verschwand wieder. Etwa nach 10 Minuten kam er wieder, erklärte mir (ganz förmlich beamtenmässig nun) meine Sofinummer und die dazugehörigen Infos (wem ich sie wie aushändigen darf/muss und so). Also doch.
Als ich ihm dann zum Abschluß des Gesprächs "versprach" ganz sicher bald Niederländisch zu lernen, nur noch nicht so viel Zeit hatte, da wurde mir ein wenig klar, wieso er sich so verhalten hatte. Er würde nämlich in Deutschland wohnen, und die Beamten da auf den Behörden würden sich gar keine Mühe geben und wären auch nie sonderlich kooperativ. Nun ja... da kann ich nun nix für, muss ich sagen. Und es ist auch weder fair noch sonderlich professionell seinen persönlichen Rachefeldzug an mir durchzuziehen. Egal, ich war weiter nett und sagte, ich würde in einem Jahr mal wiederkommen und dann würden wir uns auf Niederländisch über alles unterhalten und ich wünschte ihm auch noch einen schönen Tag, und da lächelte er endlich auch mal. Na also. Vielleicht hab ich ja sein Bild vom "bösen Deutschen" ein wenig aufgehellt, wer weiß?

(kleiner Nachtrag -- bei der Bank, wo ich eine Stunde später ein Bankkonto eröffnete, war es überhaupt kein Problem, dass ich nicht so gut Niederländisch sprach. Die boten mir sogar "preferred language english" für alle schriftlichen Interaktionen und das online-banking an. Geht doch auch!)